Sotos Syndrom

Erkrankung Gen OMIM
Sotos Syndrom 1 NSD1 117550

Klinik / Indikation

Beim Sotos Syndrom (synonym: Cerebraler Gigantismus) handelt es sich um ein Overgrowth-Syndrom mit folgenden Kriterien:

  • Passagerer Großwuchs, der sich bereits bei Geburt manifestiert und in den ersten vier Lebensjahren exzessiv ist, mit besonders langem Rumpf, großen Händen und Füßen. Die Knochenreife ist akzeleriert, es kommt zur frühnormalen Pubertät und einer tendenziellen Normalisierung der Endgröße, besonders bei Mädchen.
  • Charakteristische kraniofaziale Dysmorphie: Makrocephalie, Balkonstirn, hohe Stirnhaargrenze, weiter Zwischenaugenabstand und antimongoloider Lidachsenstellung, Prognathie.
  • Neurologische Störungen: neonatale Hypotonie und Trinkschwäche sind typisch. Die meisten Patienten haben eine nicht progrediente statomotorische Entwicklungsverzögerung. Bei der Hälfe der Patienten werden Fieberkrämpfe beobachtet. Das cerebrale Ventrikelsystem ist gewöhnlich dilatiert, andere Anomalien betreffen Mittellininendefekte wie Agenesie oder Hypoplasie des Corpus callosum und Migrationsstörungen.

Die meisten Erkrankungen treten sporadisch auf; seltener familiär mit autosomal-dominanten Erbgang.

Genetik

Die genetische Ursache für das Sotos Syndrom sind Mutationen im NSD1-Gen (OMIM 117550) (nuclear receptor binding SET-Domain 1), das im Jahr 1994 durch Analyse einer Translokation auf dem Chromosom 5q35 lokalisiert werden konnte.

Das NSD1-Gen setzt sich aus 23 Exons zusammen. Die beiden alternativ gespleißten RNAs codieren für ein Protein, das als Korepressor/Koaktivator von Transkriptionsfaktoren das Wachstum beeinflusst. Das Syndrom wird durch Haploinsuffizienz des NSD1-Gens bedingt. Bei den Patienten lassen sich in über 70-80 Prozent der Fälle Mutationen im NSD1-Gen nachweisen.

Zwei Typen von Mutationen sind bekannt:

  • Punktmutationen mit breitem Spektrum. Alle bisher beschriebenen Mutationen sind Neumutationen und über alle 23 Exons verteilt. In der europäischen Bevölkerung werden bei etwa 70 Prozent der Patienten Punktmutationen im NSD1 Gen identifiziert. Zur Analyse müssen alle Exons sequenziert werden.
  • Mikrodeletionen von 2.2 Mb, die das NSD1-Gen vollständig einschließen. Die Deletionen sind offenbar ausschließlich paternaler Herkunft. Während in Japan bei etwa 60 Prozent der Patienten diese Deletion gefunden wird, wird sie in Europa allerdings nur bei etwa 10 Prozent beobachtet. Mit Hilfe der MLPA können solche Mikrodeletionen detektiert werden.

Aus klinischer Sicht sollten zur Zeit auch uncharakteristische Sotos Syndrome und andere Overgrowth-Syndrome molekulargenetisch untersucht werden.

Diagnostik

Der Bearbeitungszeitraum beim Indexpatienten liegt bei etwa 4 Wochen. Für den Nachweis bzw. den Ausschluß bereits bekannter Veränderungen bei weiteren Familienmitgliedern ist etwa 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

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