Prader-Willi Syndrom

Erkrankung Gen OMIM
Prader-Willi Syndrom SNRPN 176270

Klinik / Indikation

Das Prader-Willi Syndrom beschreibt ein Syndrom aus Trinkschwäche und Muskelhypotonie im Säuglingsalter sowie einer Eßsucht im Kleinkindalter, die zur exzessiven Adipositas führt. Weiterhin sind mentale Retardierung und Hypogonadismus obligat. Die Häufigkeit liegt zwischen 1 : 10.000 und 1 : 15.000.

Klinisch zeigen sich folgende Ausprägungen:

  • Muskelhypotonie, Trinkschwäche und Gedeihstörungen im Säuglingsalter.
  • Psychomotorische Entwicklungsverzögerung. Die Sprache ist schleppend und undeutlich.

   Der IQ liegt bei 60 – 70 und darüber.

  • Charakteristisch ist eine Eßsucht, die im 1. bis 6. Lebensjahr einsetzt und zur hochgradigen

   Adipositas führt.

  • Sekundärer Hypogonadismus (meist liegt auch ein Wachstumshormonmangel vor).
  • Die Adipositas führt zur Polymorbidität: Diabetes mellitus, Hypertonie, Thrombophlebitis,

   Beinödeme und obstruktive Schlafapnoen.

  • In der Adoleszenz treten Verhaltensauffälligkeiten auf.

Genetik

Bei 70 Prozent der Patienten mit Prader-Willi Syndrom liegt eine Deletion in der Region 15q11-13 des väterlichen Chromosoms vor. Das sporadische Vorkommen weist kein erhöhtes Wiederholungsrisiko auf.

Eine maternale uniparentale Disomie (UPD15 mat) – bei der beide Chromosomen der Region 15q11-13 von der Mutter stammen, aber in inaktiver Form vorliegen – wird bei annähernd 20 Prozent der Patienten beobachtet.

Etwa 3 – 4 Prozent der Patienten zeigen eine Imprinting-Mutation. Hierbei liegt auf dem vom Vater vererbten Chromosom 15 ein „Imprint“ vor – die PWS-Gene der Region 15q11-13 sind inaktiv. Das Wiederholungsrisiko beträgt in diesen Fällen 50 Prozent.

In weniger als einem Prozent kann bei den Patienten eine strukturelle, chromosomale Aberration (z. B. eine Translokation) vorliegen.

Diagnostik

Mittels methylierungssensitiver MLPA wird der Methylierungszustand des väterlichen und mütterlichen Allels und das Vorliegen einer Deletion im SNRPN Gen und benachbarten Regionen untersucht. Der Bearbeitungszeitraum liegt bei etwa 3 Wochen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

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