Hereditäre Hämochromatose

Erkrankung Gen OMIM
Hereditäre Hämochromatose HFE 235200

Klinik / Indikation

Die hereditäre Hämochromatose (HH) ist eine häufige autosomal rezessive Erkrankung bedingt durch toxische Schädigung verschiedener Organe. Die Erkrankung wird klinisch erst im Erwachsenenalter diagnostiziert und ist bei rechtzeitiger Diagnose gut therapierbar. Die Inzidenz liegt bei etwa 2-5 auf 1000 Lebendgeborene.

Folgende klinische Merkmale kennzeichnen das Vorliegen einer hereditären Hämochromatose:

  • progrediente Eisenüberladung der Leber (führt zur Leberzirrhose und in schweren Fällen zum Leberkarzinom)
  • Diabetes mellitus
  • Arthropathie
  • Impotenz
  • Hautpigmentierung
  • Kardiomyopathie
  • Infektanfälligkeit

Viele Patienten sind jedoch asymptomatisch und haben im klassischen Sinne nur eine leichte bis mittelschwere Eisenüberladung.

Die indirekten Parameter im Blut wie Serumeisen, Transferrin-Sättigung, Transferrin oder totale Eisenbindungskapazität sind empfindliche Parameter, die bereits frühzeitig pathologisch verändert sind. Allerdings gibt es keine Korrelation mit dem Grad der Eisenüberladung.

Von direkten diagnostischen Parametern, wie dem Eisengehalt in Leberpunktaten, kann Abstand genommen werden. Die Biomagnetometrie zur Messung der Lebereisenkonzentration steht heute als online Verfahren zur Verfügung.

Durch Aderlasstherapie kann die Prognose wesentlich verbessert werden.

Genetik

Das HFE-Gen (OMIM 613609) liegt auf dem Chromosomen 6, dem HLA-Lokus benachbart. An der peptidbindenden Region des Genproduktes erfolgt eine Bindung von β2-Mikroglobulin. Mutationen im HFE-Gen verhindern die Anbindung von β2-Mikroglobulin. Dadurch kann das HFE-Protein keine Bindung mit dem Transferrinrezeptor eingehen und die Affinität zu Transferrin wird nicht herabgesetzt. Der genaue Mechanismus, wie das HFE-Genprodukt in die intestinale Eisenabsorption eingreift, ist bisher ungeklärt.

Für die mitteleuropäische Bevölkerung sind bislang zwei Mutationen im HFE-Gen beschrieben: c.845G>A (p.Cys282Tyr) und c.187C>G (p.His63Asp) mit einer Allelfrequenz in der deutschen Bevölkerung von 3,9 % bzw. 14,8%.

85-90 Prozent aller Patienten mit HH sind homozygote Träger der Veränderung p.Cys282Tyr. Dieser Genotyp besitzt keine vollständige Penetranz, dennoch kann bei klinischem und/oder laborchemischem Verdacht auf HH diese Diagnose bei Nachweis der Homozygotie für p.Cys282Tyr als bestätigt angesehen werden.

3-5 Prozent aller Patienten mit HH weisen eine zusammengesetzte Heterozygotie (p.Cys282Tyr / p.His63Asp) auf. Die Penetranz dieses Genotyps ist gering. Kann aber eine sekundäre Hämochromatose ausgeschlossen werden, gilt der Nachweis der zusammengesetzten Heterozygotie als Bestätigung einer HH.

Auch für den Genotyp p.His63Asp / p.His63Asp ist die Penetranz gering. Nach Ausschluß einer sekundären Hämochromatose kann dieser Genotyp als Bestätigung einer HH betrachtet werden. Symptomatische Merkmalsträger weisen meist nur eine geringe Eisenakkumulation auf.

Der hohe Stellenwert der HFE-Gendiagnose bei Verdacht auf Eisenüberladung ist erwiesen. Die Gendiagnostik allein kann die Diagnose einer hereditären Hämochromatose nicht erbringen. Für die Diagnostik und Therapienotwendigkeit ist die klassische Diagnose in Bezug auf Transferrin-Sättigung unbedingt notwendig.

Diagnostik

Für die Dauer der Bearbeitung ist etwa 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

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